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Windkraftanlagen abgeblasen; © Bild HNA

Quelle: HNA, 15.06.2012 - Nieste und Kaufungen verabschieden sich von Windkraft-Plänen.

Wäre alles so gekommen wie geplant, dann wäre die Kreisstraße zwischen Heiligenrode und der Kreuzung unterhalb des Sensensteins bei Nieste in ein paar Jahren zu einer spektakulären Route geworden.

 

Auf dem Höhenzug hätten die Autofahrer gigantische, bis zu 200 Meter hohe Windkraftanlagen passiert. Doch die Kreisstraße bleibt wohl eine unspektakuläre Route. Die jetzt veröffentlichten Kriterien des Kasseler Regierungspräsidiums (RP) für die Ausweisung neuer Windkraft-Flächen haben dafür gesorgt, dass die Pläne für drei Windparks gefährdet sind beziehungsweise ad acta gelegt werden.

 

 Der Wind bläst dort einfach nicht stark genug, um eine optimale Energieausbeute zu gewährleisten.

Dafür bläst er nun den Gemeinden Kaufungen und Nieste ins Gesicht. Das Niester Parlament hatte per Bebauungsplan bereits Flächen für einen gemeinsamen Windpark mit drei Rotoren reserviert. Für das 15-Millionen-Euro-Projekt, das nur von Kaufungen aus zu sehen gewesen wäre, gab es bereits Investoren. Mit der Entscheidung des RP sind für Niestes Bürgermeister Edgar Paul und seinen Kaufunger Kollegen Arnim Roß (beide SPD) nunmehr „wesentliche Kriterien, die wir an einen Windpark gestellt haben, nicht mehr erfüllt“.

Man könne Bürgern und Energiegenossenschaften nicht mehr ruhigen Gewissens empfehlen, sich an dem Projekt zu beteiligen. Das hatte die Energiegenossenschaft Kaufungen ohnehin nicht vor. „Wir wissen bereits seit einigen Monaten, dass die Standorte am Sensenstein nicht optimal sind“, sagt Mitinitiator Burkhard Rexmann. Die Genossenschaft setzt nun auf einen neuen Standort: den Höhenzug zwischen dem Belgerkopf und dem Michelskopf im Stiftswald.

Auch die Hessische Landgesellschaft (HLT) muss sich möglicherweise von ihren Plänen verabschieden. Das landeseigene Unternehmen wollte westlich des Sensensteins auf Niestetaler Gebiet einen größeren Windpark errichten. Eine Auskunft war von der HLT gestern nicht zu erhalten.

Auch die Städtischen Werke Kassel müssen sich möglicherweise neu orientieren. In Kürze werde man mit der Gemeinde Niestetal Gespräche darüber führen, ob der Windpark unweit des Mühlenbergs wie geplant verwirklicht werden kann, sagte Sprecher Ingo Pijanka. „Noch ist nichts entschieden.“

In Niestetal fragt man sich nun, wie ohne die Windräder das Klimaschutzziel erreicht werden soll. Bis 2035 will die Gemeinde C02-neutral sein. Am 28. Juni wird das Parlament über die neue Lage beraten. Die Bürgermeister von Nieste und Kaufungen schlagen den Parlamenten vor, von den Plänen Abstand zu nehmen.

Von Peter Ketteritzsch