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Energiewende - Visionen für Kaufungen

Foto: Gemeinde Kaufungen

Infoveranstaltung in der Haferbachhalle in Niederkaufungen
Quelle: Kaufunger Woche 20.10.2012 - Der Topmanager eines Energiekonzerns darf nur einer einzigen Sache verpflichtet sein - dem Wohl der Aktionäre. Tut er das nicht, macht er sich im Unternehmenssinne strafbar", ließ Burghard Rexmann die etwa 80 Besucher wissen, die sich am 27. September 2012 in der Haferbachhalle zur Informationsveranstaltung der Gemeinde Kaufungen und der EnergieGenossenschaft Kaufungen i.Gr. eingefunden hatten.

Interessante Vorträge von Dipl-Ing. Martin Rühl von den Stadtwerken Wolfhagen, Dipl.-Ing. Martin Klement von der EuRegPro, Burkhard Rexmann von der EnergieGe-nossenschaft Kaufungen i.Gr. und Bürgermeister Arnim Roß erwarteten die Besucher.

Burkhard Rexmann versetzte sich bei seinem Vortrag in die Lage der großen Energiekonzerne. Seiner Ansicht nach haben diese Konzerne kein Interesse an kleinteiliger Photovoltaik, da die Betreiber von PV-Anlagen zum allergrößten Teil Privatpersonen sind und sich deren Gewinn somit dezentral verteilt. Im Gegensatz dazu benötigen große Konzerne auch große zentrale Anlagen, die ein Maximum an direkter Abhängigkeit erfordern, aber dadurch auch ein Maximum an Gewinn ermöglichen. Ziel der Konzerne ist ausschließlich das Wohl ihrer Aktionäre, deren Geld vermehrt werden muss.

Rexmann richtete einen Appell an alle, die mit der Energiewende befasst sind: "Lasst uns das Stromnetz rekommunalisieren und so die Energiewende in Kaufungen in die richtigen Bahnen bringen! Wir wollen eine Energiegenossenschaft hier in Kaufungen, in der durch alle Schichten und Parteien die Kaufunger beteiligt sind."

 

Bürgermeister Arnim Roß bedankte sich für die Einladung zu dieser Veranstaltung und überbrachte die Grüße des Gemeindevorstandes. Seiner Ansicht nach ist die Energiewende eine der globalen Zukunftsfragen für alle Menschen. Es sei höchste Zeit, sie einzuleiten. "Wir wollen unsere Versorgung auf regenerative Energien und dezentrale Energieversorgung umstellen", so Roß.
Das sei umweltfreundlich, ökonomisch sinnvoll, schaffe Arbeitsplätze und ist nachhaltig, so Roß weiter.

Jede Gemeinde müsse ihren Beitrag zur Energiewende leisten. Die Gemeinde Kaufungen hat sich mit Beschluss der Gemeindevertretung vom 03. Februar 2011 das Ziel gegeben, sich bis 2030 vollständig aus erneuerbaren Energien zu versorgen. Zurzeit wird an einem Klimaschutzkonzept und an der Miteigentümerschaft am gemeindlichen Stromnetz gearbeitet: "Energieversorgung und -verteilung ist eine zentrale Infrastruktur gehört in die öffentliche Hand."

Die Energiewirtschaft sei eine wichtige Zukunftsweiche, deshalb strebe man bei allen Anlagen die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger im Rahmen der Energiegenossenschaft an, so Roß weiter. Er dankte denjenigen, die diese Genossenschaft auf den Weg gebracht haben für ihren Einsatz, hat doch das Genossenschaftswesen seit jeher dafür gesorgt, dass Menschen auch mit kleinerem Geldbeutel sich in der Gemeinschaft mit anderen ohne existenzielles Risiko an ökonomischen Unternehmen beteiligen können.

Martin Klement als Vertreter der EuRegPro (Entwicklung und Betreuung regionaler Projekte mit Bürgerbeteiligung) erläuterte in seinem Vortrag die aktuelle Entwicklung im Energiemarkt: Die Einkommensseite steigt etwa um 1,5 bis 2,0 % p. a. - die Energiekosten steigen aber um rd. 6,0 bis 7,0 % p. a. Einsparungen und kostengünstige Erzeugung von Energien sind eine Frage des finanziellen Überlebens der Bürgerinnen und Bürger, die nur durch Investitionen in eine dezentrale Erzeugung und der dadurch erreichbaren Preisstabilität für Energie zu realisieren sei.

Als letzter Redner der Veranstaltung stellte Martin Rühl von den Stadtwerken Wolfhagen GmbH deren Konzept vor: Die Stadtwerke Wolfhagen befinden sich zu einhundert Prozent im Besitz der Stadt Wolfhagen. Ein besonderes Anliegen ist das Thema Klimaschutz, die Menschen hierfür zu sensibilisieren und aktiv beim Einsparen von Energie zu unterstützen. Die Energiewende soll die Stadt Wolfhagen künftig möglichst unabhängig von Energieeinfuhren machen. Ein wichtiger Baustein auf diesem Weg dorthin ist die Förderung einer dezentralen Energieversorgung. Auch in Wolfhagen wurde im März 2012 eine Bürgerenergiegenossenschaft gegründet, die derzeit 470 Mitglieder hat.

Zum Abschluss stellte Bürgermeister Roß fest, dass in Kaufungen Mut und Engagement vorhanden ist: "Wir fangen neu an und wagen etwas. Es ist gut für die Umwelt, das Klima und unsere Kinder. Alle werden von diesem Vorhaben zur Energiewende in Kaufungen profitieren".